
Daniel François Esprit AUBER (1782-1871);
Eugène SCRIBE (1791-1861)
Die Stumme von Portici (La Muette de Portici)
Oper in 5 Akten, 1828
Autographische Partitur mit Tänzen
37 x 28 cm (Geöffnet: 37 x 56 - 60 cm)
Slg. Königliche Konservatorien Brüssel, B - Bc 01336-(2)
Bei ihrer Uraufführung 1828 in Paris sollte La Muette de Portici (Die Stumme von Portici) ein Instrument politischer Versöhnung sein: ein groß angelegtes Spektakel, das die Emotionen des Volkes lenken und das Ansehen der Macht wiederherstellen sollte. Indem die Oper einen zum Scheitern verurteilten neapolitanischen Aufstand erzählt, wollten ihre Schöpfer keineswegs zur Revolution aufrufen. Doch das Werk erzielte genau das Gegenteil. Die Verschmelzung der Künste, getragen von Aubers Musik, die die Sehnsüchte und Qualen Fenellas – die Heldin, die nicht sprechen kann, ihre Gefühle aber durch Tanz zum Ausdruck bringt – vermittelt, entfachte im Publikum einen unwiderstehlichen Drang zum Aufbegehren. Der Rest gehört zur belgischen Geschichte: In Brüssel wurde die Aufführung im August 1830 zu einem der Auslöser der Revolution, die zur Unabhängigkeit des Landes führte.
Das bislang unveröffentlichte Autograph Aubers, das in der Bibliothek der Brüsseler Konservatorien aufbewahrt, wird hier erstmals ausgestellt. Es enthält Tänze, die für die Pariser Wiederaufnahme von 1861 komponiert wurden. Der Komponist schenkte das Manuskript Lucien Petipa, dem berühmten Tänzer, der 1830 während der Belgischen Revolution in Brüssel lebte, während sein Vater Antoine Ballettmeister … an der Oper La Monnaie war.
Widmung des Komponisten an Lucien Petipa (1815–1898), Tänzer und Lehrer für Kallisthenie am Königlichen Konservatorium Brüssel in den 1870er Jahren: “À Monsieur Petipa qui fait écouter ma musique avec les yeux" („An Herrn Petipa, der meine Musik mit den Augen hören lässt.“)